Link verschicken   Drucken
 

Presseberichte

2018

aus: Thüringer Allgemeine vom 18.04.2018

Wo die Zeit gewogen werden kann

Den alten Ellricher Uhrmacherfamilien Hünicke und Bischoff ist zu verdanken, dass das Stadtmuseum um einen weiteren alten Laden reicher ist

 

Martin Bischoff und seine Schwester Petra Schröder

erinnern sich gut an die Zeit in Vaters Uhrmacherwerkstatt.

Gern blättern sie in einem Buch, in dem Karl-Gottfried Bischoff

genau notierte, welches Ersatzteil für welche Uhr gebraucht wurde.

 

Von Kristin Müller

Ellrich. So reizvoll die Hospitalgeschichte, so einzigartig dessen noch vorhandene Bausubstanz ist: Das Ellricher Stadtmuseum stellt sich breiter auf. Neben der Historie örtlicher Vereine legt die Interessengemeinschaft seit geraumer Zeit einen Schwerpunkt auch auf die Geschichte des lokalen Handwerks.

Im Obergeschoss des Haupthauses ist genug Platz, um dem Tischler-, Sattler-, Friseur-,

Perückenmacher- und Stellmacher- handwerk jeweils ein Zimmer zu widmen. Und fortan auch dem Uhrmacherhandwerk.

"Unser Traum ging in Erfüllung", sagt Jens Koppe von der Interessengemeinschaft und blickt auf einen original Tresen aus dem Jahr 1895. Uhrmachermeister Dieter Hünicke stand Jahrzehnte dahinter. Der Verkaufstresen gehörte zu seinem Geschäft, das er bis 2016 in der Straße Zwischen den Toren führte. Auch die originale Werkbank steht nun im Museum: mit winzigen Schraubenziehern, Zangen, Feilen; mit einer Glasglocke, unter der die zerlegten Uhrwerke nicht verstauben konnten.

Zieht man ein Schubfach auf, entdeckt man die Zeichnung einer Aufzugswelle oder eine Schachtel voller Zeiger, Zahnrädchen, Unruhen. An der Wand hängen Ringmaße und ein Ringstock: "Damit ließen sich breitgetretene Ringe wieder runden", erklärt Martin Bischoff.

Uhrmacher-Laden besticht durch Details

Er ist der Enkel von Oskar Bischoff, der 1919 in der Ellricher Jüdenstraße einen Uhrmacherladen eröffnete, zwei Jahre später seinen Meisterbrief bekam. Informationstechnik hatte Martin Bischoff studiert, Jahrzehnte auch in seinem Beruf fernab der Heimat gearbeitet. 2005 aber kam er zurück: Seitdem steht er im Laden des Großvaters und Vaters, im original Mobiliar. Dass das Alte bewahrenswert ist, muss ihm niemand sagen. Gern gab auch er manchen Schatz aus der Werkstatt her.

Begeistert zeigt er nun im Museum ein Einpresswerkzeug, mit dem Uhrengläser eingesetzt wurden, ein altes Kassenbuch, eine Zeitwaage aus den 60ern: "Mit der kann schnell festgestellt werden, ob die Uhr nach der Reparatur wieder richtig läuft. Mein Vater noch hatte dafür die Uhren am Arm getragen."

An der Wand hängen kleine Schränke, gefüllt mit Uhren. "Uhren, die nach der Reparatur nie abgeholt wurden." Die vielen Details machen diese nachgestellte Werkstatt so reizvoll: von der Uhrmacherbrille mit der einklappbaren Lupe über Lederetuis für Taschenuhren bis zum Reparaturtütchen ist alles zu sehen. In einer Ecke tickt eine Standuhr. "Das ist doch beruhigend", sagt Martin Bischoff und klingt sehr zufrieden.

 

 

Bildquelle: TA vom 18.04.2018